Corporate Real Estate bei SAP: Kai Drinda über Leadership, KI und Nachhaltigkeit

Wie gelingt Transformation im Corporate Real Estate? Kai Drinda spricht über Leadership, KI, Nachhaltigkeit, Workplace Experience und Operational Excellence bei SAP.

Wie übernimmt man eine gewachsene Corporate-Real-Estate-Organisation, die über Jahre erfolgreich aufgebaut wurde? Und wie bringt man gleichzeitig eigene Ideen ein, ohne alles auf den Kopf zu stellen? Kai Drinda kennt diese Situation ziemlich genau. Als VP und Head of Global Real Estate & Facilities bei SAP hat er die Nachfolge von Matthias Grimm angetreten, der die Organisation über mehr als zwei Jahrzehnte geprägt hat. Sein Ansatz: Erst einmal verstehen, was da ist. Das bestehende Team stärken, von seinen Erfahrungen profitieren und dann gemeinsam schauen, wo es weitergehen kann. Für Drinda gehört dazu auch ein anderes Verständnis von Führung. Er will nicht jede Entscheidung selbst treffen, sondern einen klaren Rahmen setzen und den Menschen darin möglichst viel Raum geben.  

Was bei SAP gerade auf der Agenda steht

Bei Global Real Estate & Facilities von SAP geht es derzeit um mehrere große Themen. Dazu gehören Sustainability, AI & Technology, Work Life Experience, Portfolio Resilience und Operational Excellence. Besonders interessant findet Drinda die Verbindung von Technologie, Daten und Nachhaltigkeit. Wie das konkret aussehen kann, zeigt sich etwa an den Standorten Walldorf und Roth. Dort werden Rechenzentren, Wärme, Strom, Speicher und E-Mobilität miteinander verbunden. Aus einer Strategie auf dem Papier wird damit Infrastruktur, die tatsächlich gebaut und betrieben werden muss. Auch beim Thema KI geht SAP einen ähnlichen Weg. Bei GRF wurde eine offene Community aufgebaut, in der Mitarbeitende eigene Anwendungsfälle entwickeln und ausprobieren können. Entscheidend ist dabei die Frage: Wo hilft KI im Arbeitsalltag wirklich weiter?  

„Strategien scheitern selten an der PowerPoint – sondern an unklaren Verantwortlichkeiten und Entscheidungswegen.“
Kai Drinda, VP & Head of Global Real Estate & Facilities, SAP

Am Ende steht Organisation über Strategie

Dieser Satz ist vielleicht einer der interessantesten Gedanken des Gesprächs. Denn eine gute Strategie allein bringt noch nicht viel. In einer globalen Organisation muss klar sein, wer wofür verantwortlich ist, welche Entscheidungen wo getroffen werden und wie globale Vorgaben mit den Bedingungen vor Ort zusammenpassen. SAP arbeitet deshalb unter anderem mit einem Target Operating Model, klaren KPIs sowie Finance-, Compliance- und Governance-Strukturen. Gleichzeitig beschreibt Drinda einen Wandel weg von klassischen Silos. Teams sollen ihre jeweiligen Fähigkeiten dort einsetzen, wo sie gebraucht werden. Das klingt zunächst nach Organisationstheorie. In einem Unternehmen mit Standorten rund um den Globus wird daraus allerdings schnell eine sehr praktische Frage: Wie viel muss zentral entschieden werden und wo braucht es Freiraum für die Teams vor Ort?

Der Arbeitsplatz als strategischer Performancehebel

Auch beim Workplace schaut Drinda genauer hin. Ein teures Gebäude oder eine beeindruckende Lobby machen für sich genommen noch keinen guten Arbeitsplatz. Entscheidend sind oft viel banalere Dinge: Funktioniert die Technik? Stimmt die Akustik? Ist das Licht gut? Wie einfach ist die Zusammenarbeit mit dem eigenen Team? Und gibt es ausreichend Möglichkeiten, sich zurückzuziehen oder sich mit anderen auszutauschen? SAP wertet dafür unter anderem Daten zu Nutzung und Standortqualität aus. Trotzdem bleibt für Drinda der direkte Austausch mit den Mitarbeitenden wichtig. Daten können zeigen, was passiert. Sie erklären aber nicht automatisch, warum es passiert.

Am Ende geht es damit um eine ziemlich grundlegende Frage: Welche Rolle soll Corporate Real Estate in einem Unternehmen eigentlich spielen?

Für Kai Drinda ist die Antwort klarer geworden. Immobilien und Facility Management bleiben natürlich für den Betrieb verantwortlich. Gleichzeitig können sie aber deutlich stärker dazu beitragen, Veränderungen im Unternehmen mitzugestalten – gerade dort, wo Technologie, Nachhaltigkeit, Daten und neue Arbeitsweisen zusammenkommen. Und dafür braucht es aus seiner Sicht vor allem eines: Führung, die Orientierung gibt, zuhört und einem guten Team zutraut, selbst Verantwortung zu übernehmen.

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